Mobilitätsalternativen stärken statt auf günstige Flugpreise zu hoffen

Der VUSR erwartet dauerhaft hohe Flugpreise und fordert eine Stärkung von Mobilitätsalternativen. Reisebüros spielen dabei eine zentrale Rolle, um Kunden umfassend zu beraten und die beste Urlaubslösung zu finden.
Flugreisen werden nach Auffassung des Verbands unabhängiger selbstständiger Reiseunternehmen (VUSR) auch in Zukunft kein Schnäppchenprodukt mehr sein.
Zwar werde es weiterhin Last-Minute-Angebote geben, die Zeiten von Flugreisen für € 500,- oder € 600,- Euro in klassische Urlaubsregionen gehörten jedoch zunehmend der Vergangenheit an. „Die Verbraucher müssen sich darauf einstellen, dass Flugreisen dauerhaft ein höheres Preisniveau haben werden. Last Minute wird es auch künftig geben, aber nicht mehr in der Form, wie viele Reisende sie aus den vergangenen Jahrzehnten kennen“, erklärt die VUSR e.V. -Bundesvorsitzende Marija Linnhoff.
Der VUSR e.V. sieht darin jedoch keinen Grund, auf Urlaub zu verzichten. Vielmehr müsse die Diskussion darüber geführt werden, welche Möglichkeiten Reisende haben, um ihre persönlichen Urlaubswünsche zu erfüllen.
Attraktive Alternativen: Erholung ohne Flugzeug
„Wer Urlaub macht, möchte sich erholen, Abstand vom Alltag gewinnen und neue Eindrücke sammeln. Dafür braucht es nicht zwingend eine Flugreise. Es gibt zahlreiche attraktive Alternativen, die oft übersehen werden“, so Marija Linnhoff.
Der Verband verweist dabei auf beliebte Reiseziele z.B. Kroatien oder am Gardasee, an der italienischen Adriaküste oder auf dem spanischen Festland, beispielsweise in Calella oder Lloret de Mar. Viele dieser Destinationen seien komfortabel modernen Fernreisebussen, der Bahn oder dem eigenen Pkw erreichbar und verfügten über eine hervorragende touristische Infrastruktur sowie hochwertige Hotels in allen Kategorien.
Nach Auffassung des VUSR e.V. werde der Begriff Mobilität im Tourismus häufig zu einseitig auf den Flugverkehr reduziert. Tatsächlich seien Bahnreisen, Fernbusreisen und Individualreisen mit dem eigenen Fahrzeug wichtige Bestandteile eines modernen Reisemarktes. Wer ein begrenztes Reisebudget habe, müsse deshalb nicht auf Erholung und Urlaub verzichten, sondern könne auf attraktive Alternativen ausweichen.
Reisebüros als zentrale Beratungsinstanz
Eine besondere Rolle komme dabei den Reisebüros zu. Sie seien die zentrale Beratungsinstanz für Verbraucher und könnten die gesamte Bandbreite der Reisemöglichkeiten transparent darstellen.
„Kunden erwarten zu Recht eine umfassende Beratung. Im Reisebüro können sämtliche Reiseformen miteinander verglichen werden – ob Flugzeug, Bahn, Fernreisebus oder Eigenanreise mit dem Pkw. Dort wird nicht der Verkehrsträger verkauft, sondern die für den Kunden beste Urlaubslösung gefunden“, betont Marija Linnhoff.
Kritisch sieht der Verband Bestrebungen einzelner Interessenvertretungen, bestimmte Reiseformen bevorzugt ausschließlich über eigene Vertriebswege zu vermarkten. Dies erschwere eine ganzheitliche Beratung der Verbraucher und werde den tatsächlichen Bedürfnissen vieler Reisender nicht gerecht. „Es ist bemerkenswert, wenn einzelne Verbände den stationären Vertrieb offenbar eher als Störfaktor denn als Partner betrachten. Wer den Kunden in den Mittelpunkt stellt, sollte jede Form qualifizierter Beratung begrüßen.
Reisebüros sind keine Konkurrenz zu einzelnen Verkehrsträgern, sondern wichtige Partner für die Vermarktung touristischer Angebote“, erklärt Marija Linnhoff.
Appell an DRV und Politik
Der VUSR e.V. appelliert zugleich an den Deutschen Reiseverband (DRV), sich stärker auf seine eigentliche Kernaufgabe zu konzentrieren und die Interessen der Branche zu vertreten. „Wir erleben leider immer wieder, dass persönliche Interessen oder Animositäten die sachliche Diskussion über den Vertrieb und die Zukunft des Reisens überlagern. Der DRV sollte sich darauf besinnen, den Vertrieb zu stärken und die Rahmenbedingungen für seine Mitglieder zu verbessern, anstatt bestehende Möglichkeiten auszubremsen“, sagt Marija Linnhoff.
Auch an die Politik richtet der Verband einen Appell. Die jüngsten Diskussionen über Entlastungen bei staatlichen Abgaben auf Flugtickets würden zwar begrüßt, die Auswirkungen auf den Reisepreis dürften jedoch nicht überschätzt werden. „Wenn ein Flugticket durch politische Entscheidungen um wenige Euro günstiger wird, entsteht dadurch noch keine neue Reisewelt. Zu behaupten, Reisen würden dadurch spürbar billiger, greift zu kurz.
Die Politik schafft die Rahmenbedingungen – nutzen und gestalten muss sie die Branche selbst“, so Marija Linnhoff. Statt einseitig über Flugpreise zu diskutieren, fordert der VUSR e.V. eine stärkere politische und öffentliche Unterstützung von Mobilitätsalternativen. Reisende müssten die gleiche Aufmerksamkeit und Förderung erhalten – unabhängig davon, ob sie mit dem Flugzeug, der Bahn, dem Fernreisebus oder dem eigenen Fahrzeug in den Urlaub reisen.
„Deutschland braucht eine moderne Tourismus- und Mobilitätspolitik, die Wahlfreiheit ermöglicht. Flugzeug, Bahn, Fernbus und Individualverkehr sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich. Entscheidend ist, dass Verbraucher umfassend informiert werden und im Reisebüro die Beratung erhalten, die zu ihren persönlichen Bedürfnissen und ihrem Budget passt. Nur so schaffen wir echte Wahlfreiheit für Reisende und stärken gleichzeitig den Outgoing-Tourismus“, erklärt Marija Linnhoff abschließend.
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